SIKU bei Rami (5.-7.6.2026 bei der Firma Change Gravity bei Stephan Rammerstorfer)
Liebe Club-Gspänli,
mit diesem Bericht würde ich gerne meine ersten SIKU-Erfahrungen, welche ich letztes Wochenende machen durfte, mit euch teilen. Ich verweise an dieser Stelle darauf, dass es meine Erfahrungen mit meinem Equipment sind. Da wir im SIKU 6 Teilnehmer mit verschiedenen Schirm- und Gurtzeug Marken, verschiedenem Körperbau, Kraft, Können und Erfahrung waren, können meine Erfahrungen nicht 1:1 übernommen werden. Nachfolgend schildere ich meine persönlichen Eindrücke, Erfahrungen, Learnings und Meinungen, die ich gerne teile. Also viel Spass beim Lesen. Wer Fragen hat, darf sich gerne bei mir melden.
Am Freitag konnten wir zwar nicht fliegen, da es am Nachmittag länger regnete als geplant. Es wären Flüge an der Bielen oder Brändlen in Wolfenschiessen geplant gewesen. Dort hätte Rami dann mal anhand einfacher Flugmanöver geschaut, wie die PilotInnen fliegen und wo ihr Können liegt. Stattdessen wurde einfach der Theorieblock vom Morgen verlängert. Dass allein war schon interessant und wir durften auch viel Neues erfahren, was allerdings nicht zwingend mit dem SIKU, aber auch mit Sicherheit zu tun hatte.
Ein Teil des Theorieblockes bestand daraus, dass die Kommandos am Funk während des SIKU’s verstanden würden. Zudem wurde erklärt, welche Manöver möglich wären und wie der Aufbau derselben ist. Dabei sass Rami im Gurtzeug und zeigte und vor was verlangt werden würde.
Zusätzlich zog er den Notschirm etwas raus um zu zeigen, wie der Notschirm mit Container im Gurtzeug verstaut ist. Tipp, immer ein Stück Faden von einem Fadenmäher im Gurtzeug mit dabeizuhaben, damit, wenn der Notschirm am Startplatz versehentlich rausgezogen wird, wieder montiert werden kann.
Ansonsten bestand der Theorieblock daraus, die Kommandos die am funk kommen zu verstehen, was gemeint ist, da dies offenbar auch nicht jeder SIKU-trainer gleich macht. Welche Manöver angeboten werden und wie diese der Reihe nach aufgebaut sind. Jeweils mit Mündlicher Erklärung, sowie das Rami im Gurtzeug sass und uns vorzeigte was verlangt wird.
Am Samstag und Sonntag ging’s endlich ans Fliegen, das Wetter machte trotz grosser Labilität an beiden Tagen mit und die Luft war ruhig. Auch der Westwind machte uns keinen Strich durch die Rechnung. Wäre er auf Starthöhe zu stark gewesen, hätten wir auf der Klewenalp nicht starten können. Mit einer Arbeitshöhe von rund 1000m konnten wir uns so richtig austoben. Ich machte am Samstag 4 und am Sonntag 3 Flüge. Da es mein erster SIKU über Wasser war, starteten wir mit Nicken und Rollen. Das Rollen liessen wir dann aber sein, da mein Hauptziel nicht die Wing Over waren. Ich wollte keine Fun Manöver erlernen, sondern meine und die Grenzen des Schirmes kennen lernen, sowie eine sichere Abstiegshilfe ohne zu hohe G-Kräfte. Zudem ist mein Rollen asymmetrisch. Schon beim Nicken feuerte mich Rami sofort an und ich merkte, dass mein Schirm mehr hinter mich oder vor mich pitchen kann als ich ihm zutraute, und dabei trotzdem sehr stabil geblieben ist. In der Prüfung musste unser Pendel nur knapp hinter Austrittskante und knapp vor Eintrittskante sein. Mit der Rhythmus Vorgabe (bremsen, bremsen, bremsen und lösen) von Rami schaffte ich es mit dem Schirm richtig vor- und zurück zu schaukeln. Ein großartiges Gefühl, gerade wie als Kind auf dem «Rittiseili».
Anschliessend machten wir Frontklapper, zuerst einseitig und danach die ganze Front. Mein Schirm war so stabil, dass er sofort wieder öffnete, wenn ich die A-Leinen nach kurzem entschlossenem Runterziehen abrupt los lies. Anschliessend ging’s ans Ohren anlegen. Ziel dabei war eine Ohrenspirale zu fliegen, sprich Ohren beidseitig rein und dass Gewicht voll auf eine Seite verlagern. 3 Versuche und mein Alpha 7 von Advance wollte nichts davon wissen, er war zu stabil. Nach einer Umdrehung stellte er sich, obwohl ich hartnäckig nach links im Gurtzeug hing, wieder auf und wollte geradeaus fliegen. Rami erklärte, dass es möglich sei, dass nicht alle Manöver mit jedem Schirm oder Gurtzeug (oder die Kombi aus beidem) geflogen werden können.
Mein Kollege konnte mit dem Vorgängerschirm Alpha 6 die Ohren spirale fliegen, hatte aber ein anderes Gurtzeug. Laut Rami kann auch die körperlichen Voraussetzung oder die Grösse des Schirmes eine Rolle spielen. Man muss wissen, dass die grösseren Schirme von ein und derselben Marke nicht gleich reagieren wie die kleineren Grössen. Und da meine Grösse, die zweitgrösste von der Alpha 7 Serie ist, verhält er sich eher etwas träger in der Reaktion. Ich rede daher auch immer von meinem Schiff. Mein Kollege hatte eine Nummer kleiner also kann das schon ein Grund gewesen sein, dass es funktionierte. Ich hätte die Ohrenspirale halt gerne machen können, da es auch eine schnelle Abstiegshilfe ist, einfacher einzuleiten als die Spirale, sehr stabil und nur mit einem viertel G-Belastung im Vergleich zur Steilspirale.
Am Samstag tasten wir uns noch an das Stallpunkt-Erfliegen heran. Wohlverstanden nicht an den Fullstall. Bei dieser Übung ging es darum zu merken, wann die Leinen weich werden und was dann zu tun wäre. Natürlich nur eine: HANDS UP! Und wenn der Schirm vorschiessen will, mit einem kurzen entschlossenen Bremsimpuls sauber abfangen. Ich hatte sichtlich Mühe den Schirm abzureissen. Er wurde so pickelhart, dass ich mich so anstrengte, noch mehr Druck auf die Bremsen zu geben, dass ich nicht mehr merkte, wenn er weich wurde. Damit riss ich dann den Schirm ab und es war jedes Mal wie eine kleine Achterbahnfahrt, bis ich ihn abfangen konnte und ihn wieder im ruhigen Flug hatte. Aber mein Learning daraus war, dass es bei meinem Schirm verdammt viel braucht, bis ich ihn abreissen kann und wenn der Bremsdruck mal so stark werden sollte, etwas nicht stimmt und ich gefasst auf einen Stall sein muss - also nichts wie Hände rauf und Schirm fliegen lassen. Wir übten anschliessend noch Seitenklapper stabilisieren und Stabilisieren von Nichtbeschleunigt bis Vollbeschleunigt, war für mich aber recht unspektakulär war, hatte ich dies doch in der Flugschule mit Felix schon geübt. Nichtsdestotrotz war es eine wichtige Vorbereitung auf den nächsten Flugtag.
Ich liess in der Nacht, dass ganze setzten und schrieb am Morgen Rami ein WhatsApp, dass ich das mit dem Stallpunkt begriffen hätte und nicht weiter üben möchte. Das ist auch etwas, was ich an Rami sehr schätze: Er ist ein Mensch, der auf seine Schützlinge im SIKU eingeht und nicht stur das Programm durchzieht, ausser es ein sicherheitsrelevanter Punkt.
Am zweiten Tag lernte ich dann eine Abstiegshilfe, welche für mich stimmt. Spirale ist super, wenn man sie kann. Laut Rami ein «Nice to Have», aber auch sehr anstrengend, wenn man z.B. mehrere hundert Meter schnell absteigen sollte. Da Zahlen und Rechnen nicht mein Dinger sind, kann ich leider nicht wiedergeben, was Rami uns vorrechnete und wie lange man bei Minimum-6-G-Belastung in einer Spirale sein muss, um 300m abzusteigen - sehr lange auf jeden Fall.
Also hätte ich verloren, drohte mir doch schon nach 3 bis 4 Umdrehungen, mit dem Schirm ganz auf der Nase, das Grey Out. Ich liebe zwar sehr enge Kreise, aber auch die mache ich nicht ewig, vielleicht 15 bis 20 Umdrehungen am Stück, aber dann muss ich wieder ausleiten. Daher ist die Lösung für mich und meinen Schirm die Klapperspirale; man kommt nahezu gleich schnell runter, aber nur mit der halben G-Belastung einer Steilspirale.
Also Klapper ziehen, auf die offene Seite Klapper stabilisieren und auf der offenen Seite mit der Bremse bis max. 30% anbremsen und Gewicht auf die offene Seite voll rein geben. Der Schirm fängt dann an auf die offene Seite zu drehen, bis er auf der Nase liegt und so abspiralt. Zum Ausleiten Gewichtsverlagerung in die Mitte und Bremse langsam lösen und wenn der Schirm wieder im stabilen Flug ist, Seitenklapper öffnen. Das war für mich eine gute Erfahrung, ich komme so rasch runter, ohne meinen Körper zu stark zu belasten.
Was wir noch übten, war der Vrillen-Ansatz, das heisst eine Seite kurz abreissen lassen und stabilisieren, bevor der Schirm zu heftig wegdreht, oder gar in eine ausgewachsene Vrille übergeht. Dabei merkte ich, wie es sich anfühlt, wenn die Bremse weich wird und wie ich mit Hände dosiertem Bremsen loslassen den Schirm stabilisieren kann, bevor er wegstallt. Auch da brauchten wir gut 4 Anläufe, bis es funktionierte. Da der Schirm so oberstabil ist, konnte ich ihn etwas überlisten, indem ich ihn schon beidseitig 50% anbremste, um ihn dann einseitig abzureissen.
Ich hatte grosser Bammel vor der Landung auf dem kleinen schmalen streifen Land am See in Beckenried. Es ist nicht der offizielle Landeplatz, da dort nur jene vom SIKU und vom AKRO Club landen. Aber auch da hat mir Rami meine Ängste genommen und mich bei den Landungen reingeholt. Teils mehr angebremst, als ich mir gewohnt war. Mit negativem ruhigen Steuern ging ich auf nach dem Höhenabbauraum in die Volte. Das Anbremsen half mir besser zu peilen, konnte ich doch je nach Bedarf noch etwas mehr Anbremsen, wenn ich noch zu lang war oder etwas Bremsen lösen, wenn ich zu kurz kam. So wie wir es ursprünglich in der Flugschule mal lernten. Am Schluss etwa 5m über Boden konnte ich den Schirm fahren lassen, er kurz tauchte, um dann 2m über Boden die Bremsen langsam aber entschlossen durchzuziehen und mich so schön hinzustellen. Mein Learning daraus, auf engem Raum hat es keinen Wert wie ein Stier angeflogen zu kommen und dann viel zu kurz oder viel zu hoch reinzukommen. Wenn ich etwas gemütlicher anfliege, habe ich mehr Zeit zu peilen.
All diese Ding, die ich gelernt hatte wollen trainiert sein, damit ich sie nicht wieder vergesse. Ich fragte daher Rami wie ich und ob ich das ohne See und doppeltes Sicherheitsnetz kann. Auch da lernte ich von Rami, dass es Sinn macht diese Manöver zu trainieren, auch über Land; machen ja die Akros auch. Wichtig dabei ist zu beachten, dass ich mir selber sichere Rahmenbedingungen schaffe. Da ich keinen Steuerbaren Notschirm habe und dann einfach in eine Richtung getrieben werde; je nach Wind mehr oder weniger, (Falls ich meinen Notschirm bräuchte, weil ein Manöver aus dem Ruder läuft) macht es Sinn nicht irgendwo mit viel Hindernissen zu trainieren. (Gewässer, Strom- und Eisenbahnleitungen, Seile von Bahnen, Häuser, Baukräne usw.)
Egal, ich werde auf jeden Fall meine Abstiegshilfe trainieren. Aber man kann ja den Retter auch mal brauchen, wenn man sich die Örtlichkeit nicht gerade aussuchen kann. Fazit von Rami, lieber mit dem Retter in einem Baum oder auf einem Hausdach landen, als in nicht geworfen zu haben und am Ende tot zu sein. Ich habe mich auf jeden Fall für den 2. August für das Notschirmwerfen über dem See angemeldet. Nur um einmal das Feeling zu haben, wie es ist, dass Ding raus zu pfeffern, gleichzeitig meinen Schirm am Fliegen zu hindern und zu spüren, wie schnell ich mit dem Retter absteige. Zudem ist der Packintervall wieder fällig, also warum nicht gleich ausnutzen, um dabei noch etwas zu lernen. Theoretisch und praktisch und dann die Theorie gleich mit der Praxis zu verbinden.
Ich hoffe ich konnte Jenen von euch, welche noch nie einen SIKU absolvierten, eine Vorstellung davon geben, wie es sich anfühlen kann, dabei zu sein und viel dabei zu lernen.
Jene, die schon SIKUS hatten, daran zu erinnern, wie war es bei ihnen war, und vielleicht Alle dazu anzuregen, wieder mal einen SIKU in Betracht zu ziehen. Schaden tut es auf jedenfalls nicht im Gegenteil man lernt immer was dabei.
Erika Müller