PDC Uri auf Flachland-Mission – Schleppen am Seerücken
Michael, Benjamin, Dennis, Cami, Jonas, Guido, Thomas und Pascal vom PDC mit Dani, Nick und Pascal vom DGCSH
Wenn man als Urner Gleitschirmpilot an einen Clubausflug denkt, tauchen im Kopf normalerweise sofort Bilder von steilen Startplätzen, schroffen Gipfeln und tief eingeschnittenen Tälern auf. Umso spannender war die Idee, einmal bewusst das Gegenteil zu suchen: das Flachland. Genauer gesagt – das schöne Thurgau. Und ja, auch dort hat das Fliegen seinen ganz eigenen Reiz.
An einem Samstagmorgen im März traf sich unsere kleine Gruppe vom Paradeltaclub Uri – voller Vorfreude auf das Abenteuer – am Bahnhof Frauenfeld. Thomas war so freundlich und stellte uns sein Büssli zur Verfügung – ein logistischer Glücksfall. So konnten wir unsere Ausrüstung, die Piloten und die gute Laune problemlos zusammen in Richtung Seerücken transportieren.
Während wir uns sammelten und das Material verstauten, waren Dani und Nick bereits fleissig beschäftigt. Sie holten das Schleppauto – liebevoll „die Schlaapfe“ genannt – aus dem Winterschlaf und liessen den Motor erst einmal warm laufen. Schliesslich soll so ein Schleppfahrzeug nach der Winterpause nicht gleich kalt ins Geschäft geschickt werden. Schon bald war alles bereit, und wir machten uns gemeinsam – nach einer kleinen Zwischenverpflegung – auf den Weg Richtung Startplatz.
Unser Ziel lag irgendwo zwischen sanften Hügeln, weiten Feldern und in der Nähe des grossen „Meeres“ zwischen der Schweiz und dem grossen Kanton – dem Bodensee. Schon während der Fahrt wurde klar: Das Thurgau mag zwar keine hohen Berge haben, aber die Landschaft ist wunderschön. Obstplantagen, offene Wiesen und immer wieder ein weiter Blick über das Land – eine ganz andere, aber sehr reizvolle Kulisse für einen Flugtag.
Vor Ort angekommen, erhielten wir zuerst eine kurze, aber sehr hilfreiche Instruktion von unseren erfahrenen Schleppprofis Dani und Nick vom Delta- und Gleitschirmclub Schaffhausen. Sie erklärten uns den Ablauf, die wichtigsten Kommandos und vor allem, worauf man beim Windenstart achten muss. Für die meisten von uns war es nämlich das erste Mal am Schleppseil.
Dann kam der Moment der Wahrheit. Beni klinkte sich mutig als Erster ans Seil. Ein kleiner Moment der Stille – und dann beschleunigte Nick die Schlaapfe über die Strasse. Der Schirm stieg sauber über ihn, das Seil spannte sich, und wenige Sekunden später war Beni bereits elegant in der Luft. Am Boden hörte man ein erleichtertes Lachen. Viele von uns waren ehrlich gesagt ganz froh gewesen, nicht als Erste starten zu müssen. Ein Vorflieger beruhigt die Nerven bekanntlich ungemein.
Dass Schleppen durchaus zur Sache gehen kann, zeigte wenig später der Freudeschrei von Michi nach seinem ersten Start. Kaum wieder gelandet, rief er mit breitem Grinsen: „Das waren die intensivsten Minuten meines Lebens!“ – eine Aussage, die wohl so mancher von uns nach seinem ersten Schlepp unterschreiben würde.
Es folgten nun nach und nach die nächsten Piloten. Mit jedem Start wurde die Stimmung entspannter und die Vorfreude grösser. Die leichte Bise, die über die Felder wehte, sorgte für nahezu ideale Schleppbedingungen. Selbst der feine Schleier aus Saharastaub, der an diesem Tag in der Luft lag, konnte das Flugerlebnis in keiner Weise trüben.
Und siehe da: Das Flachland kann durchaus überraschen. Während einige von uns nach dem Ausklinken gemütlich über den Feldern kreisten, gelang es Joni und Cami sogar, sich deutlich länger oben zu halten. Sie fanden genügend Aufwind, um ihre Flüge auszudehnen – und schafften es tatsächlich bis nahe an den Bodensee. Vom Seerücken aus über die weite Landschaft bis ans Wasser zu gleiten, hat definitiv seinen ganz eigenen Zauber.
Nick hatte unterdessen alle Hände voll zu tun. Mit dem umgebauten VW Caddy schleppte er einen Piloten nach dem anderen in die Luft. Kaum war ein Pilot wieder gelandet, wurde das Seil neu ausgelegt, der nächste eingeklinkt, und schon ging es wieder los.
Der ganze Tag verlief in einer wunderbar entspannten Atmosphäre. Viel Gelächter, gegenseitiges Anfeuern beim Start und immer wieder kleine Fachgespräche über Technik, Thermik und Flugtaktik. Gerade solche Tage zeigen, wie viel Spass unser Sport auch abseits der grossen Bergkulissen machen kann.
Am Ende des Tages waren wir uns alle einig: Das Flachland hat uns überrascht. Nicht nur wegen der Flüge, sondern auch wegen der unkomplizierten Stimmung und der grossartigen Unterstützung unserer Gastgeber.
Ein riesiges Dankeschön geht an Nick, der unermüdlich jeden von uns immer wieder in die Luft brachte, und an Dani, der mit seinen klaren Instruktionen dafür sorgte, dass alle Starts sicher und sauber verliefen. Ohne euch wäre dieser Tag so nicht möglich gewesen.
Und wer weiss – vielleicht zieht es den PDC Uri ja bald wieder einmal ins Flachland. Denn eines ist sicher: Auch zwischen Apfelbäumen und sanften Hügeln kann man grossartige Flugtage erleben.
Pascal